Innendämmung - geht das?

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Innendämmung - geht das?

Beitragvon snoopy » Di 21. Jun 2011, 10:12

Hallo zusammen,

wir überlegen schon seit einiger Zeit, unser Haus (Baujahr 1982, Massivbau, neue Fenster sind schon drin) vernünftig dämmen zu lassen, vor allem um Heizkosten zu sparen. Allerdings ist die Fassade erst vor ca. 2,5 Jahren erneuert worden. Ein Freund erzählte uns jetzt, dass man die Dämmung auch einfach innen anbringen kann. Da soll es wohl spezielle Materialien dazu geben. Das klingt zunächst mal sehr praktisch und so als ob man viel Geld und Zeit sparen könnte. Kennt sich jemand damit aus? Welche Produkte kann man da empfehlen?

Danke im Voraus.
Snoopy
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Re: Innendämmung - geht das?

Beitragvon dietrich » Mi 22. Jun 2011, 15:27

Hallo Snoopy,

ich wüsste nicht, warum das nicht gehen sollte. Ist eben nur nicht so gut,
weil die Deckenplatten ja frei bleiben (Wärmebrücken!).

Außerdem werden die Zimmer ja kleiner. :(

Aber wenn man da einfach Styropor dran klebt, kann mann auch nichts mehr
anhängen.

Preiswerter müßte es auf jeden Fall werden.
LG dietrich
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Re: Innendämmung - geht das?

Beitragvon clienti » Mi 22. Jun 2011, 20:45

Hallo Snoopy,

Innendämmung geht, ist aber immer nur eine schlechte Alternative.

Wenn Du ein Haus (sozusagen klassisch) von außen dämmst, werden Wärmebrücken (wie z.B. bei Geschoßdecken, worauf dietrich schon hinwies) vermieden. Darin liegt aber noch nicht das größte Problem. Denn das ist der sogenannte Taupunkt. Muss ich kurz ausholen. Wir reden jetzt nur über die Heizperiode (also Winter).

Dämmst Du von außen, wird das Mauerwerk (im Vergleich zum Ursprungszustand) künftig wärmer sein, weil die Wärme aus den Räumen von der Außenwand schlechter in die Außenluft gelangt, sozusagen im Mauerwerk stecken bleibt.

Dämmst Du von innen, passiert das Gegenteil: Die Wärme aus den Räumen muss nun erst die Dämmung überwinden, bevor sie ins Mauerwerk gelangt. Folglich ist das Mauerwerk (im Vergleich zum Ursprungszustand) zukünftig kälter.

Als nächstes ist es wichtig zu wissen, dass in Wohnräumen immer Wasserdampf entsteht, also Wasser im gasförmigen Zustand. Quellen sind hauptsächlich das Schwitzen und das Atmen der Bewohner aber auch Dinge wie Kochen und Duschen. Dieser Wasserdampf (nochmal: gasförmiges Wasser) wird von uns nicht wahrgenommen und als Luftfeuchtigkeit bezeichnet.

Die Fähigkeit der Luft Wasser als Gas aufzunehmen, ist begrenzt. Die Aufnahmefähigkeit wiederum ist abhängig von Luftdruck und Lufttemperatur. Deshalb spricht man auch von relativer Luftfeuchtigkeit, die in % angegeben wird. Wird die 100 % Marke überschritten, bildet sich Kondensat; der Wasserdampf wird also wieder zu Wasser.

Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kältere Luft. 50 % Luftfeuchtigkeit bedeutet, dass bei einer bestimmten Temperatur (und Luftdruck) die Aufnahmefähigkeit von Wasser die Hälfte der Aufnahmekapazität der Luft erreicht ist, sagt also nichts über die Wassermenge (z.B. in Liter je Luftmenge) aus.

Der in den Räumen anfallende Wasserdampf entweicht u.a. auch durch die Außenwände ins Freie.

Zurück nochmal zur Temperatur der Außenwände (wir reden immer noch vom Winter). Innen ist es warm, außen kalt. Die Wärme entweicht durch die Wände ins Freie. Innen ist die Außenwand warm, außen kalt. Es gibt folglich in der Wand ein Temperaturgefälle; die Temperatur fällt immer mehr ab, je weiter man in der Wand nach außen dringt.

Nun kommt unser Wasserdampf und bewegt sich von innen nach außen durch die Wand. Ebenso wie die Wand wird nun auch diese immer weiter abgekühlt. Da die Luft aber mit abnehmender Temperatur immer weniger Wasser aufnehmen kann, wird schließlich irgendwo in der Außenwand die Marke 100 % (relative) Luftfeuchtigkeit erreicht; der Dampf kondensiert (wird zu Wasser). Die Wand wird feucht. Genau der Punkt in der Wand, an dem dies eintritt, nennt man Taupunkt.

Der Taupunkt ist nicht immer an der gleichen Stelle in der Wand, denn dies ist abhängig von Außentemperatur, Innentemperatur und Luftfeuchtigkeit innen und außen(auch vom Luftdruck, der aber hier eine unwesentliche Rolle spielt).

Jetzt zu Eurer Fassade (Außenwand), die im Moment nicht gedämmt ist. Ihr heizt im Winter die Außenwand gut auf (wodurch natürlich Wärme nach außen verloren geht). Dadurch jedoch liegt der Taupunkt sehr weit außen, so dass anfallendes Kondensat (Wasser) zügig verdunsten kann, die Wand also schnell austrocknet.

Jetzt dämmt Ihr (hypothetisch) von außen: Die Wand wird erheblich wärmer (Wärme kann nach außen schlechte entweichen). Der Taupunkt verschiebt sich nach außen, in der Regel direkt bis in die Dämmung; die Wand ist sicher vor Wasser.

Jetzt dämmt Ihr nicht außen, sondern innen: Die Wärme aus den Räumen kann nicht mehr so richtig in die Außenwand, die dadurch erheblich kälter wird. Der Taupunkt wird sich deutlich weiter ins Innere der Wand verlagern, wo das anfallende Wasser erhebliche Probleme hat, schnell zu verdunsten, muss es doch einen „langen“ Weg durch die Wand zurück legen. Jetzt wird die Wand richtig feucht um nicht zu sagen nass.

Den Rest erledigt der Frost. Er bringt das Wasser im Mauerwerk zum Frieren, das Eis dehnt sich aus und zerstört das Mauerwerk. Im günstigsten Fall bröckelt nur der Putz. Glück hat man auch, wenn die Wand nur teilweise heraus bricht, die Statik aber erhalten bleibt.

Deshalb kann man also keinesfalls einfach so „Styropor“ von innen an die Wände kleben. Innendämmung ist zwangsläufig mit der Notwendigkeit einer Dampfsperre (Dampfbremse) verbunden. Dabei sorgt z.B. eine Folie auf der Innenseite der Wand dafür, dass der anfallende Wasserdampf gar nicht erst in die Außenwand eindringen kann.

Man kann also eine Dämmung von innen einbringen, dann eine Dampfsperre und das Ganze mit Gipskarton verkleiden. Es gibt auch Sandwich- Elemente mit folgendem Aufbau: Styropor, Alufolie, Gipskarton (oder Gipsfaser). Diese können dann in einem Arbeitsgang an die Außenwände geklebt werden.

Dennoch bleibende Nachteile:
1. Ausführungsfehler (nicht korrekt funktionierende Dampfsperre) können Mauerwerksschäden verursachen.
2. Das Raumklima wird beeinträchtigt, weil die Luftfeuchtigkeit nicht mehr ins Mauerwerk kann; die feuchtigkeitsregulierende Wirkung der Wand geht verloren, Wasserdampf muss durch zusätzliche Lüften abgeführt werden.
3. Das Mauerwerk wird im Winter stärker abgekühlt als ohne Dämmung; höhere Temperaturunterschiede im Mauerwerk bedeuten schnelleres Altern.
4. Das mit dem geringerem Wohnraum (dietrich sprach es an) stimmt natürlich auch.
MfG clienti
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Re: Innendämmung - geht das?

Beitragvon dietrich » Do 23. Jun 2011, 18:50

Ja, das mit der Dampfsperre ist natürlich richtig, ist praktisch so wie auf dem Dachboden,
da muß die auch rein.

Ist jetzt natürlich eine schwere Entscheidung fü Euch, kann ich mir vorstellen. Habt
Ihr denn die Fassade nur gestrichen oder neu verputzt?

Wenn verputzt, würde ich es warscheinlich mit der Innendämmung machen, wenn nur gestrichen
kann man neu überlegen.
LG dietrich
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