Der neue baudialog geht online

Die Redaktion von baudialog© (bd) im Gespräch mit Frank Glasow, geschäftsführender Gesellschafter der GLASWALD© Informatik GmbH

bd: Zunächst herzlichen Glückwunsch zur Freischaltung des neuen baudialog verbunden mit der Frage, weshalb dieser komplette Neubau notwendig war?

F. Glasow: Wir haben ja bereits 1998 den Markennamen baudialog schützen lassen und sind auch im gleichen Jahr damit gestartet. Es gab zwar immer mal wieder einen kleineren Umbau, aber die prinzipiell dahinter steckende Philosophie war nun doch schon 13 Jahre alt. Das ist im Internet eine ganze Menge.

bd: Was ist jetzt anders?

F. Glasow: Naja, zunächst die strategische Ausrichtung. Im Jahr 1998 bestand die Zielstellung u.a. auch darin, möglichst viele Unternehmen aus der Bau- und Immobilienbranche ins Netz zu stellen. Erst mit elektronischen Visitenkarten, später auch mit eigenen Websites. Außerdem sollte baudialog zu einem kommunikativen Zentrum werden, bei der Auftragsbeschaffung helfen, Bietergemeinschaften zusammenführen usw. Das hat aber nur mit minimalem Erfolg funktioniert, weil beinahe das komplette ausführende Baugewerbe selbst nicht das Internet nutz, jedenfalls nicht geschäftlich. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wenn Sie einen Bauauftrag für irgendein Gewerk vergeben möchten, also ein paar Unternehmen ansehen möchten und bei ausgewählten anfragen wollen, werden sie bitter enttäuscht: Wenn Sie überhaupt eine Website finden, ist diese meist handgestrickt und kaum aussagekräftig.

Im krassen Gegensatz dazu, hat sich die Immobilienwirtschaft prächtig etabliert. Beinahe jeder Makler hat seine eigene Website, bietet dort seine Objekte an und sendet diese auf zahlreiche Internetportale. Durch dieses Missverhältnis ist baudialog in den letzten Jahren sehr immobilienlastig geworden, drohte also seine Bedeutung als Portal für Bau und Immobilien zu verlieren.

Mit dem Konzept für den neuen baudialog wird dem nun entgegen gewirkt, in dem der Schwerpunkt mehr in Richtung des privaten Bauherren verschoben wird. Diese Zielgruppe ist aktiv im Internet unterwegs, findet jedoch kaum passende Informationen. Dies wollen wir jetzt in Angriff nehmen.

bd: Mit welchen Mitteln wollen Sie dieses Ziel erreichen?

F. Glasow: Sie meinen finanzielle Mittel?

bd: Nein, sorry. Mit welchen Angeboten auf baudialog.

F. Glasow: Wenn Sie sich beispielsweise mal auf den Immobilienportalen umsehen stellen Sie fest, dass in diesen Datenbanken unter Häusern viele Hausbaufirmen ihre Angebote einstellen, also Häuser die es noch gar nicht gibt. Die gehören dort also gar nicht rein, sind störend für die Suchenden. Auch dürften die Anbieter mit den Ergebnissen nicht wirklich zufrieden sein, denn wer in einer Immobiliendatenbank nach einem Haus sucht ist nicht der, der bauen will. Selbstverständlich sind aber auch die Datenstruktur und die Suchkriterien für Hausbauangebote völlig ungeeignet, das wird besonders deutlich beim Preis: Der eine Preis gilt für ein Bausatzhaus, der nächste gilt ab Oberkante Bodenplatte und der dritte Preis meint schlüsselfertig. Also, das bauen wir jetzt mal richtig.

Ebenfalls neu hinzugekommen ist das Forum. Hier können Hausbauer - oder solche die es werden wollen - sich mit anderen austauschen, Fragen stellen und selbst erworbene Erfahrungen und Kenntnisse weiter geben. Auch schreiben wir an verschiedenen Themen, die für Bauherren wichtig sind und bei denen es schwer ist, neutrale Informationen zu bekommen.

bd: Hinsichtlich des Teils für den Immobilienbereich bleibt alles unverändert?

F. Glasow: Wir standen hier immer ein wenig zwischen den Fronten, wollten wir doch nicht im Wettbewerb mit anderen Immobilienportalen stehen. Das bleibt auch in Zukunft so, nur werden wir aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre unsere Immobiliendatenbank nun für alle öffnen. Bisher konnte man ja nur mit der Software Pnet IMMOBILIEN dort hinein. Darüber hinaus gibt es aber weitere Verbesserungen, dabei denke ich an die neuen, sehr komfortablen Suchmasken. Auch das Forum ist sicherlich hilfreich. Weitere Neuerungen sind in Planung, dazu möchte ich aber im Moment noch nichts sagen.

bd: Sie sagten, sie öffnen Ihre Datenbank für alle Anbieter aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre, was genau meinen sie und ist das Öffnen der Datenbank nicht der Verlust eines Wettbewerbsvorteils von Pnet?

F. Glasow: Als wir 1998 unsere Immobiliendatenbank online stellten, waren wir definitiv die Ersten und einige Zeit die Einzigen. Dann schossen irgendwann die Immobilienportale wie Pilze aus dem Boden, womit wir selbst sehr zufrieden waren, weil wir diese Portale nun mit der Pnet Software mit Objekten bestücken konnten. Diese Portale brachten also einen Mehrwert für unsere Software mit sich. Die Portalbetreiber waren damals noch kleine und mittlere Unternehmen auf dem dot-com Zug.

Nach einiger Zeit merkten dann auch die großen Konzerne, dass es sich um ernste Geschäftsfelder handelt. Diese hatten natürlich ganz andere Mittel zur Verfügung und das führte zu einer gewissen Marktkonzentration. Mit zunehmendem Erfolg solcher Player konnten diese - Dank der erworbenen Marktmacht - dann kräftig an der Preisschraube drehen. Heute unterscheiden sich die Preise für ein Internetinserat ja kaum noch von Anzeigen in der Tagespresse.

Der Vorteil des Internets im Vergleich zur Presse war stets, das Inserat ist viel preiswerter und enthält gleichzeitig einen unvergleichlich größeren Teil an Infos, bis hin zu Grundrissen und Fotos. Genau das war unser 1. wichtiges Argument in den ersten Jahren. Das 2. wichtige Argument war, dass der Interessent in einer Internetdatenbank ungleich mehr Angebote findet, weil die Anbieter aufgrund des geringeren Preises für das gleiche Geld sehr viel mehr Objekte einstellen konnten. Eine klassische Win-Win Situation also.

Durch die zunehmende Marktmacht - man könnte auch von Monopolisierung sprechen - sind beide Argumente auf der Strecke geblieben. Durch die Hochpreispolitik stellt der Makler nur noch einige Objekte Online, eben nicht alle. Der Nutzen für den Interessenten wird damit erheblich begrenzt. Ein Mietwohnungsmakler, der im Erfolgsfall nur ein paar EUR an einer vermieteten Wohnung verdient, muss davon immer mehr an die Portale abgeben. Wir versuchen seit Jahren bei den Portalen wenigstens zu erreichen, dass eine Mietwohnung einfach preiswerter eingestellt werden kann, als ein Kaufobjekt, ohne Erfolg. Das handhaben wir übrigens seit 1998 so, im Verhältnis von 1:10.

Also, dieser Entwicklung wollen wir mit einer preiswerten Flatrate etwas entgegen setzen. Wir haben deshalb vor einiger Zeit die wohnungsfinder.de gekauft, mit der wir bisher nur kooperierten. Unser Angebot wird dann also als Paket für beide Portale gelten, also baudialog und wohnungsfinder zu einem kleinen Preis und nur als Flatrate. Wir hoffen auf diesem Weg zu erreichen, dass die Angebotsfülle dann enorm wird und sich herum spricht.

Aber sie hatten noch was gefragt, helfen sie mir kurz?

bd: Ja, wenn sie die Datenbank jetzt für alle öffnen, ob da nicht ein Wettbewerbsvorteil für Ihre Pnet Kunden verloren geht.

F. Glasow: Nein, obwohl man es im ersten Moment vermuten könnte. Das Ziel besteht ja gerade darin, über die große Anzahl von Objekten die Zahl der Interessenten drastisch zu erhöhen. Das ist wieder so eine klassische Win-Win Situation. Um es zu verdeutlichen: Der Extremfall wäre, wirklich alle Objekte sind in der Datenbank drin. Aus welchem Grund sollte ein Interessent dann in einem anderen Portal suchen? Darüber hinaus bleiben beide Portale für Pnet Kunden auch in Zukunft kostenfrei.

bd: Gilt das auch für Pnet Neukunden?

F. Glasow: Selbstverständlich.

bd: Eine letzte Frage: Auf dem neuen baudialog gibt es ja jetzt noch einige Baustellen. Weshalb sind diese Bereiche nicht inaktiv?

F. Glasow: Das stimmt, wir haben hier noch viel Arbeit vor uns. Allerdings benötigen viele Dinge nicht nur bei der technischen Umsetzung Zeit, sondern müssen auch erst bei den Nutzern ankommen. Deshalb haben wir überall dort wo noch Bestandteile fehlen diese nicht offline gesetzt, sondern eine Ankündigung eingestellt, der man entnehmen kann, was hier künftig passieren soll. Denken sie dabei z.B. an die Hausbauangebote, die ja auch kostenpflichtig werden. Ein Hausbauanbieter will ja vorab auch sehen, wo seine Angebote später erscheinen und wir brauchen eine kritische Masse vor Freischaltung.

bd: Herr Glasow, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit dem neuen baudialog.

F. Glasow: Ich bedanke mich.